von Funk S.
Sonntag, 30. November 2008
Das Fest der "Nächsten" - Liebe
"Heißt das, wir sehen uns vor Weihnachten nicht mehr?" Charlotte ärgerte sich, weil ihre Stimme piepsig klang. Sie hätte ihre Enttäuschung lieber verborgen. Ja", sagte Tom leise, "das heißt es leider."
Sie konnte hören, dass auch er enttäuscht und traurig war. Zum ungefähr siebenhundertsten Mal verfluchte sie diese Fernbeziehung. Nein, nicht die Beziehung an sich, aber die Entfernung. Nicht mehr vor Weihnachten. Nicht mehr vor Weihnachten. In ihrem Kopf wiederholten sich diese vier Wörter in einer Endlosschleife.
"Liebste?" unterbrach Tom ihre Gedanken. "Ja?" "Ich wünsche mir etwas von dir." "Was denn?"
"Ich möchte, dass du dich mit meinem Freund Sven triffst. Er wohnt auch bei dir in Freiburg. Und ich möchte, dass du mit ihm schläfst. Und es auf Video aufnimmst. Diese DVD möchte ich dann haben, ungeschnitten ..."
Charlotte schwieg. Ihr Herz schlug schnell. Klar, sie hatten in ihren nächtlichen Telefonaten schon oft über diese Phantasie gesprochen. Weil sie sich so selten sahen, wollte Tom sie an seinen Freund verleihen. Aber so konkret war es noch nie geworden.
"Charlotte?"
"Okay", hörte sie sich sagen. "Ich tue es." Tom klang aufgeregt und erregt. "Wirklich? Wahnsinn." Seine Stimme war heiser. "Okay, pass auf. Sven wird dir eine Mail schreiben und ihr werdet euch verabreden. Schon bald. Noch diese Woche."
Am nächsten Tag hatte Charlotte tatsächlich eine Mail von einem Sven in ihrer Inbox. Sie war lang, erregt und voller Vorfreude. Sven schlug vor, sich in einem Hotel etwas außerhalb Freiburgs zu treffen. Charlotte sollte als erste da sein. Um peinliches Schweigen oder peinliche Gespräche zu vermeiden, würde man kein Wort sprechen. Charlotte würde nackt auf dem Bett liegen, im völlig Dunkeln, und Sven würde ins Hotelzimmer kommen, ohne ein Wort zu sprechen. Er würde sich ausziehen und sie würden wortlos Sex miteinander haben. Erst danach würden sie die Kamera installieren und die DVD für Tom aufnehmen.